Ein legendärer Name im Schachuniversum

Wenn man über schillernde Persönlichkeiten in der Schachgeschichte spricht, kommt man am Namen Boris Spasski nicht vorbei. Geboren wurde er im Januar 1937 in der damaligen Sowjetunion. Die ersten Züge auf dem Schachbrett wagte er bereits als Kind, als er dem Schachklub im Pionierpalast beitrat. Er legte einen beachtlichen Start hin und überzeugte seine Trainer so sehr, dass er staatliche Förderung erhielt. Diese frühe Unterstützung sollte sich auszahlen: Bereits in jugendlichem Alter machte er mit bemerkenswerten Ergebnissen bei Turnieren auf sich aufmerksam.

Schon in den Fünfzigerjahren gelangen ihm erste bedeutende Erfolge auf internationaler Ebene. Mit gerade einmal 16 Jahren holte er den Titel des Internationalen Meisters, was damals für großes Aufsehen sorgte. Kurze Zeit später, mit nur 18 Jahren, folgte sogar der Großmeistertitel. In dieser Zeit galt er als einer der jungen, aufstrebenden Sterne der Schachwelt, die das Zeug hatten, die etablierten Größen zu ärgern. Und genau das tat er auch, oft mit überraschenden Angriffszügen, die seinen Gegnern nur wenig Zeit zum Nachdenken ließen.

Gezielter Weg zum Weltmeistertitel

Die sowjetische Schachschule hatte viele Ausnahmespieler hervorgebracht, und Spasski fügte sich nahtlos in die Riege dieser Talente ein. Nicht zuletzt dank seiner Vielseitigkeit stieg er unaufhaltsam in den Kreis der absoluten Schach-Elite auf. Dabei zeigte er bei jedem großen Turnier, welche Akribie in seiner Vorbereitung steckte. Sein Stil wurde als „universal“ bezeichnet, was bedeutet, dass er sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung sehr flexibel agierte.

Mitte der Sechzigerjahre rückte Spasski immer näher an das große Ziel heran: den Weltmeistertitel. Nach mehreren Wettkämpfen und hart umkämpften Duellen durfte er schließlich 1966 erstmals gegen Tigran Petrosjan antreten, der zu diesem Zeitpunkt Weltmeister war. In einem knappen Zweikampf reichte es für Spasski noch nicht ganz, er verlor den Wettstreit nur hauchdünn. Das Feuer in ihm war allerdings keineswegs erloschen. Im Gegenteil: Er wandte sich voll konzentriert dem nächsten Turnierzyklus zu, um erneut die Herausforderung um die Krone im Schachsport anzunehmen.

Ende der Sechziger war es dann soweit: Spasski errang erneut das Privileg, gegen Petrosjan um den Titel anzutreten. Diesmal war er besser vorbereitet und konnte 1969 letztlich den begehrten Weltmeisterthron besteigen. In den Jahren danach spielte Spasski auf zahlreichen internationalen Veranstaltungen, wobei er vor allem bei Schacholympiaden brillierte. Auch in jenen Jahren pflegte er ein vielseitiges Repertoire, sodass selbst eingefleischte Experten Schwierigkeiten hatten, seine Strategien vorherzusehen.

Das epische Match gegen Bobby Fischer

Besondere Berühmtheit erlangte Spasski 1972 durch sein Duell gegen den exzentrischen Amerikaner Bobby Fischer. Die Begegnung in Reykjavík wurde als „Jahrhundertmatch“ tituliert, weil sie weit über die Schachwelt hinaus Aufsehen erregte. Damals stand das Spielbrett symbolisch für eine politische Auseinandersetzung zweier Großmächte, genauer gesagt für den Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Dennoch war es nicht allein diese symbolische Bedeutung, sondern vor allem das schachliche Können beider Spieler, das für weltweites Interesse sorgte.

Spasski verlor zwar das Match und somit den Weltmeistertitel an Fischer, er blieb jedoch eine hochgeschätzte Figur des Weltschachs. Sein freundschaftlicher Umgang mit dem exzentrischen Fischer erstaunte viele Beobachter. Während Fischer für sein eigenwilliges Verhalten bekannt war und sich häufig mit Organisatoren und Kontrahenten anlegte, blieb Spasski ausgleichend und gelassen. Erste Stimmen in seiner Heimat kritisierten ihn, weil er den Titel im strategisch heiklen Duell eines Kalten-Kriegs-Konflikts verloren hatte. Der Druck in der Sowjetunion war enorm, da der Weltmeistertitel fast zwei Jahrzehnte ununterbrochen in sowjetischer Hand gewesen war. Für Spasski persönlich stellte das Ende als Weltmeister zugleich einen Neuanfang dar, denn er konnte fortan ohne die Last dieses Titels weiterspielen.

Ruhigere Jahre und erneute Auftritte

Nach dem Abschied vom Weltmeisterthron ging Spasski seinen eigenen Weg. Er wanderte schließlich in den Siebzigerjahren nach Frankreich aus und erlangte dort die Staatsbürgerschaft. In Europa wurde es vorübergehend ruhiger um ihn, wenngleich er auf nationaler Ebene weiter bei Meisterschaften und hochrangigen Wettbewerben antrat. Turniergänger in Deutschland haben ihn außerdem in der Bundesliga an den Spitzenbrettern erlebt, wo er für den Verein Solinger SG 1868 spielte und seinen Teil zu einigen Titelgewinnen beitrug.

Anfang der Neunziger traf er wieder auf seinen ehemaligen großen Rivalen Bobby Fischer zu einem Showmatch. Obwohl die Begegnung nicht die Tragweite einer Weltmeisterschaft hatte, zog sie erhebliche Aufmerksamkeit auf sich. Dies lag vor allem daran, dass Fischer seit dem WM-Kampf 1972 Schach-Entzug praktiziert hatte und völlig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden war. Bei diesem Wettkampf setze sich Fischer in einem spektakulären Duell erneut durch. Viele Betrachter werteten das Ganze als nostalgische Rückkehr zweier Schachlegenden an das Brett.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Spasski zurück in Russland und setzte seine Leidenschaft für das Spiel bis ins hohe Alter fort. Trotz gesundheitlicher Rückschläge und einer Zeit, in der er sich für einige Jahre weitgehend zurückgezogen hatte, blieb sein Name synonym für strategisches Schachdenken und beispielhaftes fair play. Am 27. Februar 2025 starb er im Alter von 88 Jahren in Moskau.

Mythos und Faszination

Spasski verkörpert den Typ Spieler, der mit scheinbarer Gelassenheit ans Brett tritt, ohne je sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Sein Universalstil beeindruckt Schachfreunde bis heute: Er konnte sich von einer taktischen Spirale regelrecht in eine defensive Mauer zurückziehen, um später doch den Konter zu suchen. All das machte seine Partien zu Anschauungsmaterial für viele Generationen von Profis und Amateuren. Wer sich näher mit seinen berühmten Zügen befasst, merkt schnell, dass er zwar mit maximaler Kreativität spielte, dabei aber nie die Grundprinzipien des Schachs vernachlässigte.

Dieser Facettenreichtum prägt den Mythos Boris Spasski. Wie andere große Schachkoryphäen zog er seine Inspiration aus der Tradition, bereicherte das Spiel aber mit eigenen Innovationen. Deshalb lohnt sich die Beschäftigung mit seinen Partien nicht nur für Experten. Du kannst selbst als Einsteiger einiges von seinen strategischen Ideen lernen, zum Beispiel wie wichtig Geduld bei einer vielversprechenden Stellung sein kann, oder dass sich ein spekulativer Angriff genauso lohnen kann wie eine solide Verteidigung – vorausgesetzt, man wagt den richtigen Zug zur richtigen Zeit.

Vierspielerschach und neue Perspektiven

Ganz gleich, ob du gerade erst Schach für dich entdeckst oder bereits auf hohem Niveau spielst: Die bewundernswerte Hingabe, mit der Boris Spasski jahrelang unterwegs war, motiviert auch heute noch viele Spieler, über den Tellerrand zu schauen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten des klassischen Schachs, die wiederum ganz eigene Dynamiken entfalten. Eine dieser Alternativen eröffnet sogar vier Teilnehmern gleichzeitig neue strategische Einblicke. Selbst wenn du das herkömmliche Spiel bevorzugst, kann es spannend sein, gelegentlich andere Perspektiven einzunehmen und dich mit frischen Ideen auseinanderzusetzen.

Boris Spasskis Werdegang zeigt, dass im Schach immer wieder neue Ideen entstehen und Kreativität essenziell bleibt. Ebenso wie sein episches Duell mit Fischer heute noch Menschen fasziniert und inspiriert, so weckt jede Variante, ob klassisch zu zweit oder anders, das Bedürfnis, immer wieder Neues zu ergründen. In Erinnerung bleiben wird vor allem ein Boris Spasski, der mit großer Würde und Leidenschaft für das Spiel antrat.

Möge sein Erbe im Schach – und all den Varianten, die daraus hervorgehen – noch lange weiterleben.

Vierspielerschach kaufen

Nummerierte Erstauflage

Neu & limitiert

Vierspielerschach ist noch ganz neu auf dem Markt. Sichere dir jetzt eine der allerersten Versionen – nur in begrenzter Stückzahl und durchnummeriert!